Eine Wettbewerbsausschreibung 2008 der Galerie friends of carlotta in Zürich gab den Auftakt für meine Beschäftigung mit Papiergeld.
Papier
Seit meiner Zeit an der Academie Maastricht ist Papier – oft aus Büchern – Teil meiner Arbeit. Ob Bibeln, Reiseatlanten, Totengeld, Zeitungen oder Romane – nichs war und ist sicher vor mir. Im Schmuck gesellten sich ausgewählte Worte und Bildfragmente auf Papier als Träger von zusätzlichen Informationen und als textiles Material zu Edelsteinen und Perlen dazu. Neben den gehäkelten Drähten aus Eisen, Gold und manchmal auch Silber und Kupfer.
Biographische Spuren
Und warum ich als Textilerin dazu kam mit Edelsteinen und hochwertigen Perlen zu arbeiten…hat natürlich mit meiner Biographie zu tun. Ich kenne niemanden, der so verliebt war in Schmuck wie unsere Mutter. Teilweise entwarf sie selber ihren Schmuck und hinterließ mir einen unglaublichen Schatz, den ich mit meinen gehäkelten Eisendrahtringen um die ganze Welt auf Reisen geschickt habe.
Erotische Reisen
Die dem Beitrag voran gestellte Kette aus japanischen Akoyaperlen ist gepaart mit den erotischsten Worten ausgeschnitten, bzw. ausgestanzt aus dem Roman „Der rote Rock“ von Emmanuèle Bernheim. Ich habe zur selben Zeit eine Schreibreihe begonnen, deren Grundlage diese einzelnen Worte waren. Aus dieser Herangehensweise haben sich später sowohl weitere Ordnungsraster fürs Schreiben, als auch systematische Reihungen im Schmuckschaffen mit Papierelementen entwickelt.




Die Papiergeldkette ist entstanden für die Ausstellung in Zürich in der Galerie. Es waren meist bereits ungültige Geldschein in schönen Farben. Um die Farbe Gelb dabei zu haben und in Reminiszenz an das Gastgeberinnenland…musste allerdings auch ein noch gültiger ziemlich wertiger Frankenschein dran glauben.
Wert der Dinge – Wert der Arbeit
Die Beschäftigung mit den Geldscheinen war der Frage nach dem Wert der eigenen Arbeit und nach dem Wert der Dinge überhaupt gewidmet. Und das Thema beschäftigt mich heute, 2025 immer noch und hat eine neue Serie von Geldscheinblütenketten zur Folge. Es gibt einige Künstler*innen, die auf sehr unterschiedliche Art und Weise mit Geld in ihrem Kunstschaffen umgehen. Ich werde in einem Beitrag über meinen Geldscheinblütenschmuck darüber etwas schreiben.
Zwischen Ästhetik und Absicht
Das Thema der Papierscheiben mäandrierte zwischen rein ästhetischen und hintergründigen Aspekten. Die Kette „Dalai Lama“ kann als Meditationskette genutzt werden und gehört heute einer Freundin, die diese Praxis übt. Die abgebildete Kette mit den fleischrot gefärbten Süßwasserperlen und mit Fotos von rohem Fleisch bedruckter kreisrund ausgeschnittener Kopierfolie ließ viel Spielraum für Interpretationen. Die Ästhetik hebelte die eigentliche Botschaft und meine Hoffnung über unseren Fleischkonsum ins Gespräch zu kommen leider aus.
Und es ist bis heute so, dass das Thema Schönheit und ästhetisches Empfinden meine Entwürfe dominiert – bei allen Ansprüchen an Kunst als kritisches Gesellschaftsmedium. Meine Reihe der Kleinen Tischgesellschaften, zu denen ich in unregelmäßigen Abständen einlade, hat im Jahr 2025 das Jahresthema „Schönheit“. Nach dem ersten Abend war klar, dass dieses Thema von vielen Seiten aus beleuchtet werden kann und verbunden ist mit vielen Aspekten unseres Seins.
Bleiben wir auch in schwierigen Zeiten neugierig – und offen für die ins Leben eingeschriebene Schönheit!
Galerie friends of carlotta, Zürich
